Jean Bazaine Originale Lithographie Signiert 1972 Lyrische Abstraktion
Über den Künstler…
Jean Bazaine (1904–2001) ist eine bedeutende Figur der französischen Malerei des 20. Jahrhunderts und wird der lyrischen Abstraktion zugerechnet, die sich in Frankreich in den 1940er bis 1960er Jahren entwickelte. Geboren am 21. Dezember 1904 in Paris, studierte er zunächst Bildhauerei an der École des Beaux-Arts, bevor er sich ganz der Malerei widmete. Er verkehrte in den Pariser Intellektuellen- und Literaturkreisen, die seine Reflexion nachhaltig prägen sollten. 1941, während der Besatzung, organisierte er die Ausstellung „Vingt jeunes peintres de tradition française“ (Zwanzig junge Maler französischer Tradition), eine kulturelle Widerstandshandlung, die die Vitalität der französischen Kunst angesichts des Nationalsozialismus betonte. 1948 veröffentlichte er seine Notes sur la peinture d'aujourd'hui (Anmerkungen zur heutigen Malerei), einen grundlegenden Text, in dem er seine Vision einer Kunst formulierte, die im Realen verwurzelt, aber durch Abstraktion transzendiert wird. Denn das ist der Kern seines Ansatzes: Bazaine bricht nie mit der Natur. Seine Gemälde mit lebendigen Farben und organisch verschlungenen Formen erinnern an das Meer, das Licht, die Jahreszeiten, das Zittern des Wassers – eine Malerei, die, so seine eigenen Worte, „von der Welt ausgeht, um auf andere Weise zu ihr zurückzukehren“. Über die Leinwand hinaus entfaltete er seine bildnerische Sprache in monumentalem Maßstab mit den Glasfenstern der Kirche Saint-Séverin in Paris, denen der Kirche von Saint-Dié und dem großen Mosaik des Maison de la Radio, einem der größten Europas zu dieser Zeit. Als Graveur und Illustrator arbeitete er auch mit Dichtern wie Aragon und René Char zusammen und knüpfte tiefe Verbindungen zwischen Malerei und Literatur. Unklassifizierbar – weder ganz abstrakt noch figurativ – verkörpert Bazaine einen dritten, humanistischen und sinnlichen Weg innerhalb der Pariser Schule der Nachkriegszeit, der auf der Überzeugung beruht, dass jedes Gemälde aus einer Emotion angesichts der Welt entsteht. Er starb am 4. März 2001 in Paris und hinterließ ein beträchtliches Werk, das heute angesichts seiner historischen Bedeutung zu selten ausgestellt wird.